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Schul- und Arbeitsmarkterfolge bei jungen Zuwanderern der zweiten Generation und bei jungen Schweizern: die Bedeutung der Eltern

Zusammenfassung der Resultate

Das Projekt untersucht intergenerationale Transmissionsprozesse hinsichtlich Bildung und Arbeitsmarkt für die Schweiz. Während der Projektlaufzeit wurden im Bereich der Analyse der Transmission von Bildung drei, im Arbeitsmarktbereich eine Studie angefertigt.

Die drei Untersuchungen zur Bildungstransmission nutzen die Daten der Volkszählung 2000, mit der sich die Phänomene sowohl für die Gesamtbevölkerung, als auch getrennt für die drei Gruppen der Schweizer, der Zuwanderer erster Generation und der Zuwanderer zweiter Generation untersuchen lassen. In einer der Studien betrachten wir die Bildungstransmission der Zuwanderer separat für die verschiedenen Herkunftsländer und –regionen.

Die Analysen untersuchen das Ausbildungsniveau von 17 Jahre alten Jugendlichen und messen die Korrelation zum Bildungsniveau ihrer Eltern. Zunächst werden verschiedene ökonomische Theorien zur Erklärung von Bildungsniveaus auf ihren Gehalt hinsichtlich der intergenerationalen Tranmission von Bildung überprüft. Wenngleich wir über die Bevölkerungsgruppen hinweg starke Unterschiede in der Relevanz elterlicher Bildung für den Bildungserfolg ihrer Kinder finden, so können die Heterogenitäten nur zu einem kleinen Teil durch ökonomische Theorien erklärt werden.

In einer zweiten Studie analysieren wir, ob das Alter, mit dem Schüler und Schülerinnen den weiterführenden Schulformen zugeteilt werden, die Bedeutung des Elternhauses relativieren. Die Überlegung ist, dass es bei fortgeschrittenem Alter der Kinder einfacher wird, deren Fähigkeiten verlässlich einzuschätzen, während bei jüngeren Kindern das Votum der Eltern stärker Gehör findet und in die Schulentscheidung mit einfliesst. Um dies abzuschätzen, nutzen wir die Unterschiede der Schulsysteme über verschiedene Kantone hinweg. Die Ergebnisse zeigen, dass dort, wo Kinder in höherem Alter weiterführenden Schulen zugewiesen werden, die Bedeutung des Elternhauses geringer ist, als dort wo diese Aufteilung bereits in sehr frühem Alter stattfindet.

In einem letzten Beitrag untersuchen wir detaillierter, wie sich Zuwanderer aus verschiedenen Herkunftsländern und –regionen hinsichtlich ihrer intergenerationalen Mobilität unterscheiden. Wenngleich Zuwanderer der zweiten Generation insgesamt deutlich weniger vom Bildungserfolg der Eltern beeinflusst werden als einheimische Schweizer, so zeigen sich doch auch unter den Zuwanderern deutliche Unterschiede. Hier stechen insbesondere die starken Effekte der Ausbildungsniveaus türkischer, portugiesischer und vormals-jugoslawischer Eltern ins Auge. Interessant ist, dass es auch unter den Zuwanderern eine grosse Rolle spielt, in welchem schweizerischen Sprachraum sie aufwachsen. Hier scheinen die Chancen im Tessin am höchsten und die in der deutschsprachigen Schweiz am geringsten zu sein.

Die intergenerationale Transmission von Arbeitsmarkterfolgen messen wir anhand einer Analyse der Korrelation von Einkommen zwischen Vätern und Söhnen. Dazu verwenden wir Daten des Schweizerischen Haushaltspanels (SHP, 1999–2003) ebenso wie die der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE, 1991-2003). Leider gibt es für die Schweiz keinen Datensatz, der sowohl die Arbeitseinkommen von Vätern wie auch die ihrer Söhne enthält. Da jedoch die Befragten des SHP die Charakteristika ihrer Eltern angegeben haben, können wir mit jenen Informationen und den Informationen aus der SAKE die Einkommen der Eltern hochrechnen und über diesen Umweg die Muster der Einkommenskorrelation beschreiben. Wenngleich die Ergebnisse nicht mit internationalen Studien vergleichbar sind, die auf soliderer Datengrundlage arbeiten, so lassen sich auf diese Weise dennoch die Einkommensmobilitäten verschiedener Teilgruppen der Schweizer Bevölkerung untereinander vergleichen. Es zeigt sich beispielsweise, dass einheimische Schweizer hinsichtlich der Arbeitseinkommen über die Generationen hinweg deutlich mobiler sind als Zuwanderer. Zuwanderer sind sowohl im oberen als auch im unteren Einkommensbereich weniger mobil. Unter Verwendung von Quantilsregressionen zeigt sich, dass über verschiedene Einkommensquantile die Mobilität bei den Schweizern ähnlich ist. Immigranten aus tiefen und hohen Einkommensschichten besitzen die höchste Mobilität.

Weitere Informationen über das Projekt

Das Projekt untersucht die Bedeutung elterlicher Charakteristika für den Ausbildungs- und Arbeitsmarkterfolg von Zweitgenerations- und Schweizer Kindern. Das Ziel ist, solche Ungleichheit in den schulischen und beruflichen Erfolgschancen zu messen und zu erklären, die auf Unterschiede in den familiären Lebensumständen zurückgehen.

Hintergrund
In Gesellschaften, in denen der Einfluss elterlicher Charakteristika gross und die Korrelation zwischen dem Status der Eltern und ihrer Kinder hoch ist, sind die ökonomischen Chancen verschiedener Gesellschaftsschichten ungleich verteilt. Der Forschungsbedarf besteht politisch dahingehend, die Schweiz und ihre Strukturen bezüglich der Nutzung ihrer Humanressourcen zu überprüfen; aus wissenschaftlicher Sicht wird hier erstmals die Chancengleichheit von einheimischen und Kindern von Zuwanderern verglichen.

Ziele
Durch das Projekt sollen folgende Ziele erreicht werden:
1. Beschreibung der Unterschiede in Schul- und Arbeitsmarkterfolg zwischen Zweitgenerations- und Schweizer Kindern.
2. Erhebung derjenigen Merkmale familiärer Verhältnisse, die Schul- und Arbeitsmarkterfolg sowie Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen beeinflussen.
3. Statistische Untersuchung und Quantifizierung des Einflusses insbesondere von intergenerationalen Faktoren für den Schul- und Arbeitsmarkterfolg in der Schweiz.
4. Ableitung von ökonomischen und politökonomischen Konklusionen hinsichtlich der Verbesserung der Chancengleichheit für Zweitgenerations- und Schweizer Kinder.
5. Einbettung der Schweiz in die internationale Literatur intergenerationaler Transmission.

Methoden/Vorgehen
Das Projekt geht in drei Schritten vor: Zunächst wird vorhandenes Datenmaterial auf themenspezifische Relevanz hin überprüft. Zweitens werden auch unter Berücksichtigung wirtschaftpolitischer Forschungsinteressen der Schweiz und der internationalen Literatur Modelle spezifiziert, die dann unter Verwendung fortgeschrittener mikroökonometrischer Verfahren geschätzt werden. Drittens werden die Resultate ausgewertet, anhand derer sozioökonomische Schlussfolgerungen gezogen werden sollen.

Bedeutung
Es sollen Erkenntnisse über Kausalmechanismen zwischen familiärem Hintergrund und Schul- bzw. Arbeitsmarkterfolg gesammelt werden, die sowohl für die schweizerische Bildungs- als auch für die Zuwanderungspolitik von aktueller Bedeutung sind. Mit dem Vergleich der Chancengleichheit über Bevölkerungsgruppen der Schweiz hinweg betreten wir in der wissenschaftlichen Diskussion Neuland. Dieser Ansatz befruchtet die Erforschung der Faktoren, die intergenerationale Transmission bei Bildung und am Arbeitsmarkt verursachen.

Projektdauer: 01.05.03–31.03.06

Bewilligtes Projekt: CHF 169 296

Proposal no.: 405240-68977

Anschrift des Hauptgesuchstellers:
Prof. Regina T. Riphahn
Dept. of Economics
Universität Erlangen
Lange Gasse 20
D-90403 Nuremberg
Tel. 0049 911 5302 268
Fax 0049 911 5302 178
regina.riphahn@wiso.uni-erlangen.de
www.lsw.wiso.uni-erlangen.de


Publikationen


Bauer, Ph. (2008), Intergenerational Transmission and Ethnic Inequality in Switzerland: An Empirical Approach, Basler Druck + Verlag.

Bauer, Ph., Riphahn, R. (2007), Intergenerationale Bildungs- und Einkommensmobilität in der Schweiz: Ein Vergleich zwischen Schweizern und Immigranten, Die Volkswirtschaft – Magazin für Wirtschaftspolitik 80 (8) 3. Working Papers

Regina T. Riphan, Philipp C. Bauer, Beitrag für das Magazin für Wirtschaftspolitik Die Volkswirtschaft 7/8-2007, Intergenerationale Bildungs- und Einkommensmobilität in der Schweiz – ein Vergleich zwischen Schweizern und Migranten

Timing on school tracking as a determinant of intergenerational transmission of education, Philipp Bauer and Regina T. Riphahn, Economics Letters 91(1), 90-97.

Education and its intergenerational transmission: Evidence for natives and immigrants from Switzerland, Philipp Bauer and Regina T. Riphahn, 2006, revised and resubmitted to Portuguese Economic Journal.

Heterogeneity in the Intergenerational Transmission of Educational Attainment: Evidence from Switzerland on Natives and Second Generation Immigrants, Regina T. Riphan and Philipp C. Bauer, 2007, Journal of Population Economics 20(1), 121-148.



Dokumente:

  Referat NFP51/52-Tagung in Bern, 22.11.2005
Bauer_Bern05_d.ppt (163KB)
30.01.2006    Download >
  Summary Projekt Riphahn
NFP52_Riphahn_summary_d.pdf (55KB)
05.09.2006    Download >

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