Die eingehenden Fragen an die MOB-J wurden vom Notfallärzteteam des Kinderspitals Zürich bearbeitet. Neben Angaben zu Geschlecht und Alter sowie Qualitäts- und Effektivitätsfragen wurden die Nutzer der MOB-J aufgefordert an einer Online-Befragung über psychosoziale Ressourcen teilzunehmen. Unter psychosozialen Ressourcen werden unter anderem die Beziehung zu den Eltern, die Selbstwirksamkeit, das Bildungsniveau und die Depressive Gestimmtheit verstanden. Ziel war es, herauszufinden, ob sich Nutzer der MOB-J prinzipiell und hinsichtlich verschiedener anderer Faktoren in diesen psychosozialen Ressourcen charakterisieren lassen.
Üblicherweise ist das Hilfesuchverhalten mit einer guten Beziehung zu den Eltern, hoher Selbstwirksamkeit und mit geringer Depressivität assoziiert. Der Vergleich der Nutzer der MOB-J mit Jugendlichen anderer Studien zeigt, dass die Nutzer der MOB-J eine weniger gute Beziehung zu ihren Eltern haben, ihre Probleme häufiger mit Freunden besprechen würden, und eine tiefere Selbstwirksamkeit aufweisen als Jugendlichen die an anderen Studien teilnahmen. Jugendliche, die MOB-J benützen, weisen also einige negative Abweichungen hinsichtlich psychosozialer Ressourcen auf und normalerweise suchen diese Jugendlichen seltener Hilfe. Die Niederschwelligkeit des MOB-J Angebotes scheint also Jugendliche anzuziehen, die ansonsten weniger nach Hilfe suchen würden. Dies bestätigt sich auch dadurch, dass üblicherweise Hilfsangebote vermehrt von Frauen in Anspruch genommen werden, bei der MOB-J jedoch mehr männliche Jugendliche insbesondere sehr intime und persänliche Fragen stellen. Bei den Mädchen, die bei der MOB-J persänliche Fragen stellen, fällt auf, dass sie eine wenig tragfähige Beziehung zu ihrer Mutter haben und diese anscheinend für sie nicht als Ansprechperson in Frage kommt.
Die Gesundheitsthemen zu denen Anfragen an die MOB-J gestellt wurden sind auf der einen Seite sehr vielfältig, auf der anderen Seite gibt es jedoch vor allem von männlichen Nutzern immer wieder Fragen, die "genitale Probleme" oder die "sexuelle körperliche Entwicklung" von Jungen betreffen. Deutlich unterscheiden sich die Frageinhalte vor allem von Fragen von 51– bis 90-jährigen Nutzern der medizinischen Online-Beratung für Erwachsene (MOB-E). Jugendliche stellen vielfach allgemeine Fragen, ältere Menschen hingegen stellen vermehrt spezifische Fragen zu Krankheiten, die mit starken Schmerzen oder physischen Beeinträchtigung verbunden sein können. Unterschiede zwischen jugendlichen Nutzern und älteren Nutzern bestehen auch im Hinblick auf Änderungen der Verhaltensabsichten. Ältere Menschen möchten eher der Empfehlung der Online-Ärzte einen Arzt aufzusuchen Folge leisten, auch wenn sie dies vorher nicht geplant hatten. Jüngere Anfragende würden der Aufforderung seltener nachkommen.
Das Projekt gibt Hinweise darauf, dass jugendliche Nutzer einer Online-Beratung möglicherweise ein weniger gutes psychosoziales Ressourcenprofil aufweisen, als gleichaltrige Jugendliche. Insbesondere scheinen sich Jugendliche an die Online-Beratung zu wenden, die mit den Eltern auf weniger gutem Fuss stehen. Jedoch hat sich gezeigt, dass Online-Beratung den Bedürfnissen männlicher Jugendlicher nach Niederschwelligkeit von Beratungsangeboten entgegenkommt und männliche Jugendliche sich im Rahmen der MOB-J so wohlfühlen, dass sie sehr intime und persönliche Fragen stellen.
Gerade weil jedoch Jugendliche sehr persönliche und intime Fragen stellen und offensichtlich sich Jugendliche mit weniger guten psychosozialen Ressourcen Rat im Internet holen, ist es wichtig, den Jugendlichen Strategien zu vermitteln, mittels derer sie seriöse und unseriöse Angebote voneinander unterscheiden kännen. Die vorliegende Studie hat auch gezeigt, dass nicht die Dienstleistung allein sondern auch das Gefäss der Dienstleistung einen Einfluss darauf hat, wer gesundheitsbezogene Fragen stellt. So ist der Altersdurchschnitt der 12- bis 20-jährigen MOB-J Benutzer jünger und sie stellen deutlich mehr Fragen zu sexuellen Themen, als die 14- bis 20-jährigen MOB-E Benutzer, die älter sind und mehr Fragen haben, die nur dem Kategorie "sonstige medizinische Fragen" zugeordnet werden können.