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Psychische Gesundheit und Zugang zur öffentlichen Versorgung: die Sicht von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien

Zusammenfassung der Resultate

Rund 20% der Kinder und Jugendlichen in den industrialisierten Ländern leiden unter psychischen Belastungen. Nur ein kleiner Anteil dieser behandlungsbedürftigen Kinder und Jugendlichen gelangen tatsächlich in eine fachkundige Beratung oder Behandlung. Die vorliegende AMHC Studie verfolgte daher zum Ziel, ein vertiefteres Verständnis von Konzepten und Bedürfnissen im Bereich psychischer Gesundheit(-sversorgung) von Kindern zu erarbeiten.

Das mehrphasige Projekt beinhaltet verschiedene methodische Zugänge wie qualitative Erhebungen (Interviews, Fokusgruppen) sowie eine quantitative Fragebogenuntersuchung (Survey) in verschiedenen Sprachregionen der Schweiz einschliesslich des Einbezugs von Migranten, mit dem Schwerpunkt portugiesischsprachiger Familien als grösste fremdsprachige Bevölkerungsgruppe. Die Interviewstudie wurde bei über 60 Familien mit Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 16 Jahren sowie deren Eltern mit insgesamt über 190 Einzelinterviews durchgeführt. Die darauf aufbauende Fragebogenuntersuchung umfasst Daten von über 800 Familien mit insgesamt mehr als 1600 beteiligten Personen.

Die Ergebnisse zeigen Übereinstimmungen und Unterschiede im Wissen und den Konzepten über psychische Gesundheit und vorhandener Versorgungsangebote, die sich zwischen verschiedenen Generationen, zwischen Einheimischen und Migrantenfamilien sowie zwischen nicht-klinischen und klinischen Personengruppen erkennen lassen. Die Befunde weisen darauf hin, dass der Einbezug der Patientenperspektive – im Sinn des Partizipationsgedankens – auch bei Kindern und Jugendlichen eine wertvolle Informationsquelle für Massnahmen im Hinblick auf die Verbesserung von Zugang und Qualität des Gesundheitssystems darstellt. Bessere Kenntnisse solcher (Laien-)Konzepte von psychischer Gesundheit/Krankheit und von für Hilfesuchstrategien sind vonnöten, wenn die Nachfrage- Angebotsdifferenz im Hinblick auf eine adäquate Gesundheitsversorgung von Kindern Jugendlichen und ihren Familien weitgehend vermindert werden soll.

Weitere Informationen zum Projekt

Das Projekt untersucht in verschiedenen Bevölkerungsgruppen Konzepte psychischer Gesundheit bei Kindern, Jugendlichen und ihren Familien. Dabei wird nachvollzogen, wie diese Konzepte transgenerational weitergegeben
werden und wann Hilfe in Anspruch genommen wird. Die erlebten Barrieren auf dem Weg zur öffentlichen
Versorgung sind ebenfalls Gegenstand der Untersuchung.

Hintergrund
In der Schweiz leiden etwa ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen unter psychischen Belastungen. Obwohl bei einem Viertel davon Behandlungsbedarf besteht, erhalten nur wenige fachgerechte Therapien. Nicht oder erst zu spät behandelte psychische Auffälligkeiten können schwerwiegende individuelle und gesellschaftliche Folgen nach sich ziehen. Daher besteht ein grosser Forschungsbedarf hinsichtlich der Faktoren, welche auf Seiten der Bevölkerung die Erhaltung bzw. Wiederherstellung psychischer Gesundheit beeinflussen.

Ziele
In der vorliegenden Studie sollen die Faktoren, die mit der (Nicht-)Inanspruchnahme von präventiven Angeboten und Behandlungsmöglichkeiten im Bereich seelischer Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zusammenhängen, untersucht werden. Individuelle, familiale und soziale Einflüsse auf transgenerational weitergereichte Konzepte psychischer und physischer Gesundheit sowie Schwellen in der Inanspruchnahme von Hilfen werden geprüft. Die Studienresultate sollen aufzeigen, ob sich hierin bei verschiedenen Bevölkerungsgruppen (Migranten, Regionen) oder Störungsbildern (z.B. aggressives oder abhängiges Verhalten) Unterschiede ergeben. Ein besseres Verständnis von Konzepten und Bedürfnissen im Hinblick auf die psychische Gesundheit von Kindern sowie Kenntnisse zu vorhandenen Schwellen von Behandlungsangeboten soll die Abstimmung zwischen Bedarfs- und Angebotsseite verbessern.

Methoden/Vorgehen
Durch Interviews und Diskussionsgruppen werden Gesundheits-/Störungskonzepte und Inanspruchnahmestrategien von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien sowie weiteren involvierten Personen (Haus-, Kinderärzte, Lehrer) erhoben und untersucht. Eine Umfrage mit einem auf dieser Basis entwickelten Fragebogeninstrument untersucht diese Bereiche dann in grösseren Bevölkerungsgruppen in der deutsch- und französischsprachigen Schweiz. In einer dritten Phase werden daraus Pilotprojekte entwickelt, modellhaft umgesetzt und evaluiert.

Bedeutung
Das Projekt wird erstmals eine Informationsbasis zu Konzepten psychischer Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen, deren Eltern sowie Personen aus dem sozialen Umfeld in der Schweiz zur Verfügung stellen. Durch die gewonnenen Kenntnisse über Wahrnehmungs- und Handlungsschwellen sowie der erlebten und erwünschten Zugänge zur Versorgung können Massnahmen konzipiert werden, die Familien und ihren Kindern die Inanspruchnahme von Hilfsangeboten erleichtern.

Projektdauer: 01.07.04–31.12.06

Bewilligtes Projekt: CHF 252 625

Proposal no.: 405240-103375

Anschrift des Hauptgesuchstellers:
Prof. Dr. Christoph Käppler
E-Mail kaeppler@ph-ludwigsburg.de  
  

Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Zürich
Neumünsterallee 3
8032 Zürich
Tel. 043 499 26 26
Fax 043 499 26 01

Third party funding
Swiss Federal Office of Public Health: submitted

Publikationen

Zehnder, S., Morgenthaler, Ch., Käppler, Ch. (2008), Religious Socialisation in the Family -A Multi-Dimensional and Multi-Level Perspective. In: Robbins, M., Astley, J., Francis, L. (eds.), Qualitative, Quantitative and Comparative Perspectives in Empirical Theology. London: Brill Academic Publisher.

Gianella, D., Gonçalves, M., Höfler, S., Inglin, S., Borges, M., Käppler, C. & Mohler B. (2005), Concepts of Mental Health and Perception of Services from the Perspective of Children, Adolescents and their Fami-lies. In: Rubinelli, S., Haes, J. (eds.), Tailoring Health Messages, Bridging the gap between social and humanistic perspectives on health communication, 95-100. Proceedings of the International Conference. Lugano: Università della Svizzera italiana.



Dokumente:

  Referat NFP 52 Tagung vom 22. Juni 2006
NFP52_AMHC_Kaeppler.pdf (513KB)
03.07.2006    Download >

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