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Nachfrage nach familienergänzender Kinderbetreuung in der Schweiz


Zusammenfassung der Resultate

Gegenstand des Forschungsprojekts:
Das Forschungsprojekt beleuchtet die formelle familienergänzende Kinderbetreuung im Vorschulbereich wie z.B. die Betreuung in Krippen und Tagesfamilien. Diese Betreuungsangebote geniessen in der Schweiz zunehmende Bedeutung.

Eine effiziente, bedarfsgerechte Strategie zum Ausbau des Angebots muss auf Informationen über das Nachfrageverhalten der Eltern basieren. Diese Grundlagen fehlen in der Schweiz weitgehend. Weder die Nachfrage noch das Angebot wurden bislang systematisch untersucht. Das Forschungsprojekt leistet einen Beitrag zur Schliessung dieser Forschungslücken im Vorschulbereich. Die Ergebnisse liefern Grundlagen für eine nachfrageorientierte Planung des familienergänzenden Betreuungsangebots in der Schweiz. Sie zeigen auf, wo Ausbaupotenziale bestehen und wie Angebote ausgestaltet sein müssen, damit sie den Bedürfnissen der Eltern gerecht werden.

Forschungsfragen:
Das Forschungsprojekt gibt Antworten zu den folgenden Fragen:
Welche sozioökonomischen, demografischen, regionalen und angebotsspezifischen Faktoren spielen bei der Wahl eines Bertreuungsangebots welche Rolle?
Wie gross sind aktuell die Nachfragepotenziale für Betreuung in Krippen und Tagesfamilien in den verschiedenen Regionen der Schweiz?
Welche zukünftigen Entwicklungen sind zu erwarten angesichts der analysierten Verhaltensweise und der demografischen Szenarien, insbesondere der Entwicklung der Kinderzahlen?

Forschungsmethoden:
Mittels eines Choice-Experiments wurden in einem ersten Schritt 600 Haushalte mit Kindern zwischen 0 und 4 Jahren zur potenziellen Wahl einer bestimmten Form von Kinderbetreuung befragt. Zusätzlich wurde eine Umfrage bei 150 AusländerInnen-Haushalten durchgeführt. Mit Hilfe eines ökonometrischen Modells wurde eruiert, welches die wichtigsten sozialen, demografischen regionalen und angebotsspezifischen Faktoren sind, die die Nachfrage nach familienergänzender Betreuung beeinflussen. Diese Ergebnisse wurden für die Schätzung der Nachfragepotenziale mit Daten zur Haushaltsstruktur in der Schweiz kombiniert.

Einflussfaktoren der Nachfrage nach familienergänzender Betreuung:
Es haben sich verschiedene sozioökonomische und demografische Haushaltsmerkmale als signifikant für die Wahl der Kinderbetreuung erwiesen. Das Einkommen und das Alter der Mutter wirken sich z.B. positiv auf die Wahl einer formellen familienergänzenden Betreuung aus. Die Präsenz von älteren Geschwistern und die Möglichkeit, das Kind durch einen Elternteil betreuen zu lassen, wirken sich negativ auf die Nachfrage aus. Weitere relevante Einflussfaktoren sind eine höhere Ausbildung der Mutter sowie die Arbeitszeiten des Vaters und die aktuelle Betreuungssituation.

Wenn ein Elternteil ausländischer Nationalität ist, wirkt sich dies positiv auf die Nachfrage nach formeller familienergänzender Betreuung aus. Die Zusatzbefragung bei den AusländerInnen-Haushalten zeigt, dass italienische und portugiesische Haushalte keine signifikanten Unterschiede zu den Schweizer Haushalten aufweisen. Nur für Familien ost-europäischer Herkunft konnte ein signifikant positiver Einfluss auf die Wahl von formeller familienergänzender Betreuung festgestellt werden.

Regionale Variablen wie die Urbanität und die Sprachregion haben ebenfalls einen signifikanten Einfluss auf die Wahl der Kinderbetreuung. Die Tatsache, dass eine Familie in einer ländlichen Region wohnt, wirkt sich negativ auf die Nachfrage nach Krippen oder Tagesfamilien aus. Haushalte mit Wohnort im der lateinischen Schweiz haben hingegen eine höhere Nachfrage nach formeller familienergänzender Betreuung.

Die Ausgestaltung der Betreuungsangebote hat einen signifikanten Einfluss auf das Nachfrageverhalten der Eltern. Relevante Angebotsmerkmale sind der Preis, die Distanz zum Wohnort, das Betreuungsverhältnis (Anzahl Kinder pro Betreuungsperson), die Öffnungszeiten und die Flexibilität bei der Anpassung der Betreuungszeiten. Die ökonometrischen Schätzungen zeigen, dass bei einer Preiserhöhung um 10% die Nachfrage nach Krippenbetreuung um rund 12% sinkt.

Schätzung der aktuellen Nachfragepotenziale:
Gemäss unseren Schätzungen würden in der Schweiz bei einer freien Wahl der Art der Betreuung und bei den heutigen Angebotsbedingungen (Preis, Öffnungszeiten, etc.) rund 47% aller Haushalte eine Betreuung in einer Kinderkrippe oder bei einer Tagesfamilie nachfragen. Die Betreuung in einer Kinderkrippe wird in allen Regionen etwas häufiger gewählt als die Betreuung bei Tagesfamilien. 31% der Haushalte mit Kindern im Vorschulalter würden im Vergleich zu einer rein privaten Lösung die Betreuung in einer Kinderkrippe wählen und 16% ziehen die Tagesfamilien einer rein privaten Lösung vor.

Im Jahr 2004 werden nach unserer Schätzung rund 84'000 Betreuungsplätze für 168'000 Kinder im Vorschulbereich nachgefragt. Die gewünschte Betreuungsdauer beträgt 2 Tage pro Woche. Im Modell sind wir davon ausgegangen, dass pro Platz rund 2 Kinder betreut werden können.

Basierend auf Daten der SAKE nehmen wir an, dass in der Schweiz zurzeit rund 30'000 Betreuungsplätze im Vorschulbereich zur Verfügung stehen, auf denen in etwa 50'000 Kinder betreut werden. Im Vergleich zu den geschätzten Nachfragepotenzialen bedeutet dies, dass Betreuungsangebote für rund 120'000 Kinder bzw. rund 50'000 Betreuungsplätze fehlen. Mit dem bestehenden Angebot sind erst knapp 40% der geschätzten Nachfragepotenziale gedeckt.

Schätzung der zukünftigen Nachfragepotenziale:
Lässt man die Angebotsseite (Preise, Qualität) unberührt und folgt man einem Trendszenario der demografischen Entwicklung, wird im Jahr 2015 insgesamt etwas weniger Kinderbetreuung nachgefragt. In zwei weiteren Szenarien konnte der erhebliche Einfluss von Angebotsvariablen auf die Nachfrage aufgezeigt werden. Eine konsequente Subventionierung von Kinderstätten würde die Nachfrage deutlich erhöhen. Preiserhöhungen oder auch Qualitätsverschlechterungen wirken sich hingegen rasch negativ auf die Nachfrage aus.

Wissenschaftlicher Bericht
Wissenschaftlicher Bericht download als pdf (1.3 MB)

Buchveröffentlichung zum Forschungsprojekt
Krippen und Tagesfamilien in der Schweiz - Aktuelle und zukünftige Nachfragepotentiale
Weitere Informationen


Zusätzliche Informationen zum Projekt

Das Forschungsprojekt beleuchtet die familienergänzende Kinderbetreuung im Vorschulbereich wie z.B. die Betreuung in Krippen und Tagesfamilien. Es zeigt auf, wie gross die Nachfrage nach familienergänzender Betreuung in den verschiedenen Regionen der Schweiz ist und wie sie sich in Zukunft entwickeln wird.

Hintergrund
Die familienergänzende Betreuung erhält in der Schweiz zunehmende Bedeutung. Eine effiziente, bedarfsgerechte Strategie für den Ausbau des Angebots muss auf Informationen über das Verhalten der Nachfrage basieren. Diese Grundlagen fehlen in der Schweiz aber weitgehend: Weder Nachfrage noch Angebot der familienergänzenden Betreuung wurden bislang systematisch untersucht. Das Forschungsprojekt leistet einen Beitrag zur Schliessung dieser Forschungslücken im Bereich der Kinderbetreuung im Vorschulbereich.

Ziele
Mit dem Forschungsprojekt werden drei Hauptziele verfolgt:
– Darstellung der aktuellen Nachfragesituation im Vorschulbereich.
– Analyse der wesentlichen Einflussfaktoren der Nachfrage.
– Beschreibung der zukünftigen Nachfragepotenziale.
Folgende Fragen sollen beantwortet werden:
– Welche sozio-ökonomischen, kulturellen und angebotsspezifischen Faktoren spielen bei der Wahl eines Betreuungsangebots welche Rolle?
– Welche Rolle spielt das Subventionsregime (Preise)?
– Welche Rolle spielen Qualitätsaspekte?
– Welche sozioökonomischen Gruppen reagieren wie auf die verschiedenen relevanten Parameter?
– Gibt es regionale bzw. kulturelle Unterschiede in den Verhaltensmustern der potenziellen Zielgruppen?
– Welche zukünftigen Entwicklungen sind zu erwarten angesichts der analysierten Verhaltensweise und der demografischen Szenarien, insbesondere der Entwicklung der Kinderzahlen?

Methoden/Vorgehen
Wichtigste Datengrundlage ist eine Umfrage bei Haushalten mit Kindern in der deutschen, französischen und italienischen Schweiz. In einem Zusatzmodul wird eine separate Erhebung bei ausländischen Familien durchgeführt. Mit Hilfe eines ökonometrischen Modells wird eruiert, welches die zentralen sozialen, demografischen oder regionalen Faktoren sind, die die Nachfrage nach familienergänzender Betreuung beeinflussen. Diese Ergebnisse werden zum Schluss mit Daten zur demografischen und wirtschaftlichen Entwicklung in Verbindung gesetzt.

Bedeutung
Die Ergebnisse erlauben Rückschlüsse auf eine bedarfsgerechte Planung des familienergänzenden Betreuungsangebots in der Schweiz. Sie zeigen auf, wo Ausbaupotenziale bestehen und wie Angebote ausgestaltet sein müssen, damit sie den Bedürfnissen der Eltern gerecht werden. Das Projekt leistet somit einen Beitrag zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie und zur Realisierung der volkswirtschaftlichen Nutzen, die mit einer Erhöhung der Frauenerwerbsbeteiligung verbunden sind.

Projektdauer: 01.04.03 - 30.04.05

Bewilligtes Projekt: CHF 224 932

Proposal no.: 405240-68997

Anschrift des Hauptgesuchstellers:
Dr. Rolf Iten
INFRAS
Gerechtigkeitsgasse 20, Postfach
8039 Zürich
Tel. 01 205 95 16
Fax 01 205 95 99
E-Mail rolf.iten@infras.ch  

Prof. Massimo Filippini
Institut MecoP (Istituto di microeconomia e economia Pubblica)
Università della Svizzera italiana
Via Giuseppe Buffi 13
6900 Lugano
Tel. 091 912 46 40
Fax 091 912 47 33
E-Mail massimo.filippini@lu.unisi.ch  

Third party funding:
Eidgenössische Ausländerkommission (EKA) CHF 40 000

Publikation

Stern, S., Banfi, S., Tassinari, S. (2006), Krippen und Tagesfamilien in der Schweiz. Aktuelle und zukünftige Nachfragepotentiale, Bern: Haupt



Dokumente:

  Einladung Anlass 27.06.05
NFP52_Einladung.pdf (143KB)
06.09.2005    Download >
  Medienmitteilung 27.06.05
Medieninformation_27.pdf (161KB)
06.09.2005    Download >
  Kurzversion des Tagungsberichtes 26.06.05
KurzfassungIten_d.pdf (755KB)
06.09.2005    Download >
  Stellungnahme des BSV
StellungnahmeBSV.pdf (136KB)
06.09.2005    Download >
  Ausführlicher wissenschaftlicher Bericht
Wissenschaftlicher_Bericht.pdf (1301KB)
06.09.2005    Download >
  Poster
Iten_poster.pdf (487KB)
06.09.2005    Download >

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